Grüne Informationstechnologie

Selbstverständlich, Illusion oder Zukunftsmusik...

Das Festival lud zu einer Veranstaltung zu grüner Informationstechnologie ein

Jeder von uns Medienschaffenden nutzt elektronische Geräte – und wenn es nur der Computer im Heimbüro ist, mit dem wir unsere Ideen niederschreiben. Deshalb veranstaltete das NaturVision-Filmfestival in Ludwigsburg dieses Jahr eine Podiumsdiskussion zur Technologie in unserem Alltag.

Der Kurzfilm STORY OF STUFF legt die Materialwirtschaft erhellend dar – mit all ihren derzeit menschenverachtenden und ressourcenverschwendenden Prozessen: von der Gewinnung der Rohstoffe und ihrer Verarbeitung über die Produktion der Geräte zu ihrer Nutzung und Entsorgung.

So verlassen beispielsweise im Kongo 30 % der Kinder vorzeitig die Schule, um Coltan zu schürfen. Gleichzeitig sind bei uns Konsumenten bereits nach sechs Monaten nur noch 1 % der Rohstoffe in den Smartphones in Gebrauch. Schätzungen zufolge liegen in deutschen Schubladen 2,5 t Gold, 25 t Silber und 700 t Kupfer ungenutzt in Handies. Dazu tragen der kalkulierte und der gefühlte Wertverlust der Geräte bei, den Werbung und Marketing suggerieren.

Dem Guide to Greener Electronics von Greenpeace entnimmt man zwar, dass die wenigsten dieser Firmen zu einer nachhaltigen Herstellungs- und Wirtschaftsweise bereit sind. Doch mischen verschiedene Initiativen die IT-Branche auf. Diese Vorreiter wollen aus dem reinen Konsumenten und Verbraucher wieder einen zufriedenen Nutzer fair produzierter und langlebiger Geräte werden lassen. Die Unternehmen arbeiten auch wirtschaftlich und zeigen gleichzeitig, wie sich IT verändern kann. So saßen in der Gesprächsrunde Vertreter von handy-aktion.de, des technisch avancierten und cleveren Fairphones sowie von nager-it.de.

Ein gutes Beispiel ist auch das französische Energiewendegesetz: Künftig drohen jedem, der die Lebensdauer von Geräten bei der Produktion absichtlich verkürzt, zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe.

Der alte Weg war kein Zufall, sondern von Menschen gemacht. Also gehen wir einen neuen; denn Lösungen sind möglich. Alphabetisch ein paar Tipps und Informationsquellen:

  • Akkus, also wiederaufladbare Batterien, benutzen
  • Beim Einkauf von Computern und Telefonen etc. Hersteller wählen, die auf soziale Standards in der Produktion achten, Produkte giftfrei oder zumindest schadstoffarm herstellen und/oder seröse Rücknahme und Entsorgung anbieten. Infos unter:
    www.clean-it.at
    www.handy-trendy.de
    www.makeitfair.org
    www.nabu-umwelt-tarif.de
    www.pcglobal.org
  • Beim Einkauf von Hard- und Software sollte auch auf einen niedrigen Supportbedarf geachtet werden (z.B. Vermeidung von Software, die bekannt ist für viele Run-Time-Fehler).
  • Betreiber des Server-Hostings bzw. Housings fragen, ob er die Abwärme des Rechenzentrums zur Erzeugung von Strom oder Wärme nutzt oder die anderen Einsparpotenziale kennt.
  • Eine detaillierte Inventarisierung der bestehenden Hard- und Software vermeidet unnötige Einkäufe und reduziert Abfall. Geräte nutzen, solange sie funktionieren - unabhängig von der Mode
  • geschlossene Produktionskreisläufe mit gekonntem Recycling, um weniger Gold, Coltan und Silber aus den Ländern des globalen Südens zu rauben
  • grüne Chemie
  • reparieren (lassen) statt wegwerfen
  • sich gesellschaftlich engagieren und Politik beeinflussen
  • Vorteile für Umwelt und Gesundheit bieten Produkte, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet werden.
  • Über energiesparende IT informiert www.ecotopten.de/produktfeld_informieren.php.

Konzerne gehen davon aus, dass sich nur zwei von zehn Leuten beschweren, wenn ihnen etwas nicht passt. Damit bekommt Ihr Nachfragen den Faktor 5! Lasst uns die notwendigen Dialoge führen!